wie schon im ersten Post erwähnt blogge ich aus Faulheit. Ich will nicht, wenn ich zurück bin, alles doppelt und dreifach erzählen und wähle deshalb den Weg des geringsten Widerstandes. Dachte ich. Leider steht mir meine Schreibfaulheit auch beim Bloggen im Wege, ein Umstand, den ich so nicht bedacht hatte. Heute raffe ich mich aber auf und lasse Euch ein wenig an meinem Alltag teilhaben.
Mittlerweile sind fast drei Wochen rum und ich bin immer noch auf der Onkologie. Heißt, dass alle Patienten auf Station Krebs haben. Die meisten sind aber nicht zur Therapie ihrer Krebserkrankung stationär (die erfolgt nämlich ambulant), sondern weil sie unter Chemo/Bestrahlung irgendwelche sonderbaren anderen Krankheiten entwickelt haben. Und weil das Leben fies ist, handelt es sich dabei in 90% der Fälle um ne Pneumonie oder ein neutropenisches Fieber oder ne schöne Verstopfung. Somit ist die Onkologie also eine stinknormale internistische Station mit dem kleinen Onko-Sternchen am Revers.
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| iche |
Mein Arbeitstag beginnt morgens um 8 Uhr. Wäre ich PJler auf der Chirurgie, müsste ich um 6:45 da sein. Jeder Tag startet mit einer Visite, die sich endlos in die Länge ziehen kann. Es wird jedem Patienten ein Besuch abgestattet, ein wenig der Bauch abgetastet, die Lunge belauscht und der Patient wird nach seinen Darmgewohnheiten gefragt. Um die Diskretion zu wahren wird dabei ein Vorhang zugezogen. Montags und donnerstags ist Consultant-Visite, entspricht in etwa der Chefarzt-Visite. Was einem zu Beginn auf empathischer Ebene wirklich aus der Bahn wirft, ist der Umgang mit Handys. Während der deutsche Arzt sein Handy lautlos hat und jeden Anrufer wegdrückt, bimmelt das Mobiltelefon des australischen Arztes mit voller Lautstärke und es wird jeder Anruf beantwortet, egal ob man grade mit dem Patienten redet oder ihn gerade untersucht. Und wo Oma Erna in Deutschland ihre nächste Herzattacke erleiden würde ob dieser Dreistigkeit, lehnt sich Opa Darryl in Australien entspannt zurück und wartet auf die Rückkehr seines Arztes.
Als Student darf man während der Visite nicht sehr viel machen, oft steht man daneben und schaut zu. Es kommt vor, dass man eine Aufnahme machen darf, sprich Anamnese, Blut abnehmen, Kanüle legen, meist ist man aber eher Beobachter und bespricht nachher den Fall mit dem Arzt. Ich durfte auch schon einen Entlassungsbrief schreiben, was sich aber wegen der fehlenden korrekten Ausdrucksweise als schwierig gestaltet. Nicht zu vergessen die Fülle der Abkürzungen, die hier Eingang in den klinischen Sprachgebrauch finden. GP steht zum Beispiel für general practitioner, den Allgemeinarzt, SOB bedeutet shortness of breath, sprich Luftnot, PC heißt presenting complaints (gegenwärtige Beschwerden) und SALAMI für Stenting as an Alternative to Lytic therapy in Acute Myocardial Infarction. Alles klar, läuft. Insgesamt ist auf Station also eher weniger zu tun.
Dienstags gehe ich immer mit einem local student zu den tutorials, die in etwa dem Kleingruppenunterricht in Deutschland entsprechen. Die bringen mir sehr viel, da verschiedene Krankheitsbilder besprochen werden und die entsprechenden Patienten gleich mit untersucht werden. Freitags gibts zusätzlich Vorlesungen, die aber nicht immer interessant sind. Mittags finden jeden Tag die Meetings der einzelnen Disziplinen statt, in denen über einen interessanten Fall berichtet wird. Dort geht man als Student sehr gerne hin, einerseits, weils tatsächlich interessant sein kann. Und andererseits weil es dort kostenloses Buffet gibt, dazu kommen wir später noch einmal. Nachmittags kann man noch in der Privatsprechstunde vorbeischauen, wobei zumindest im Royal North Shore Hospital die Trennung zwischen Privat- und Kassenpatienten noch viel krasser auffällt als in Deutschland. Hier muss der gepflegte Privatpatient nicht einmal mehr das gleiche Gebäude betreten wie der Rest. Die Fahrstühle der Privatklinik sind holzvertäfelt, der Teppich schluckt alle unangenehmen Geräusche und der Blumenladen bietet viel schönere Blumen an als der im Kassenbereich.
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| Renate |
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| Sydney Opera House |
Schick ne?
Eine weitere Kuriosität, die hier unbedingt erwähnt werden sollte, sind die australischen Preise. Ihr denkt, die Niederlande sind teuer? Oder England? Pfff. In Australien sind 800 Gramm Hackfleisch im Supermarkt im Sonderangebot für schlappe 11 Dollar zu kriegen. Bananen kosten lächerliche 15 Dollar das Kilo (obwohl man zugeben muss, dass die Plantagen im Norden durch das Hochwasser geflutet wurden). Das Müsli, das unsere Vermieterin Rosslyn jeden Morgen für uns bereit stellt, kostet 18 Dollar pro Kilo. Und so bin ich neulich mit ein paar Karotten, Eiern, einem Brot und Taschentüchern für insgesamt 11 Dollar aus dem Supermarkt gewankt. Mit Tränen in den Augen. Wenn man Essen geht, ist ne Mahlzeit für 10 Dollar schon ein echtes Schnäppchen. Vielleicht versteht man jetzt warum die Studenten im Krankenhaus so scharf auf die Meetings mit dem kostenlosen Essen sind.
Da ich jetzt mal ins Bettchen muss, endet mein Bericht hier und Ihr dürft wieder ca. 3 Wochen auf einen Eintrag warten. Vielleicht schaffe ich es auch schon früher, je nachdem wies Wetter wird.
Benni



Dein Alltag außerhalb der Klinik ist ja sehr abwechslungsreich.Es ist gut, wenn Du möglichst viel zu sehen bekommst, denn so schnell wirst Du dort nicht mehr hinkommen.
AntwortenLöschenAuch wenn Du Dir komisch vorkommst- ich würde mich gerne von solch einem schicken jungen Mann behandeln lassen!Kannst Dich gleich daran gewöhnen, seriös auszusehen.
Renate ist ja ein Prachtexemplar! Ich kann verstehen, daß Du mit ihr nicht kuscheln möchtest!
Die Preise sind ja enorm. Hoffentlich kein Grund für Dich, zu hungern!
Es freut sich sehr auf Deinen nächsten Bericht Deine Oma