Sonntag, 20. Oktober 2019

Wie meine Wirbelsäule zu einem Diamanten wurde oder das Ende ist nah.

Liebe Zurückgebliebene,
es wird Zeit. Offenkundig will der sensationsgeile Mob befriedigt werden. Ich nehme jedoch gleich vorweg, dass keine Sensationen zu vermelden sind. Quasi nur Profanität auf Spanisch. Bevor es los geht, möchte ich mich bei allen bedanken, die gelesen, gelacht und vielleicht sogar ein wenig geträumt haben. Danke. So.
Wir waren bei Medellín stehen geblieben, der "innovativsten Stadt der Welt des Jahres 2012" laut New York Times (oder New Yorker?). Wie ein pickliger Teenager ist Medellín an manchen Stellen nicht schön anzuschauen und nervt ab und an gehörig, aber man kann das Potenzial erkennen, welches die Stadt birgt. Trotzdem habe ich mich Montag entschieden, das nahegelegene Guatapé zu besuchen, wo sich ein relativ beliebtes Ausflugsziel, der Peñol, befindet. Umgeben von einer spektakulären Seenlandschaft erhebt sich dieser 2100m hohe, alleinstehende Felsen und bietet nicht nur eine hervorragende Aussicht auf die Umgebung sondern auch
Platz für sämtliche Nippes-Händler der Region. Nachdem man also am Parkplatz schon entsprechend empfangen wurde, darf man einige Treppen erklimmen und dann genießen. Im Anschluss gab es eine Tour durch die sehr schöne Stadt Guatapé, die ähnlich wie schon Salento einen typisch südamerikanischen Flair versprüht.
Dienstag habe ich den wohltemperierten zentralen Teil Kolumbiens nun endlich gegen die Karibikküste eingetauscht. Es ist warm. Und feucht. Und mückig. Und klebrig. Aber das ist ja meckern auf hohem Niveau. Ich bin nach Santa Marta geflogen und habe mir mit drei Holländerinnen ein Taxi nach Costeño Beach geteilt. Nachdem ich Mittwoch erst mal einen halben Tag in der Hängematte verbracht habe, habe ich mich Donnerstag auf den Weg nach Punta Gallinas gemacht. LL wird übrigens wie J gesprochen. Also Gajinas. Anyways. Ich wurde 5.30 (leider morgens) vom Hostel abgeholt und nach Riohacha gebracht, einer Stadt mit etwa dem Flair von Ludwigshafen. Hier wurde ich mit fünf anderen Hanseln in einen Jeep gesteckt und die Reise ging so richtig los. Man muss dazu einige Dinge bemerken. 1. Neben dem Fahrer stiegen vier Kolumbianer und ein Engländer mit in den Jeep. 2. Die Kolumbianer, den Fahrer eingeschlossen, sprachen de facto kein Englisch, der Engländer null Spanisch. Und mein Spanisch geht kaum über das Niveau eines Vierjährigen hinaus (spart Euch bitte an dieser Stelle einfach dämliche Witze ...). 3. Der Jeep war ziemlich eng. 4. Wenn man 1.60m groß ist. 5. Dafür war er auf etwa -17 Grad Celsius gekühlt. Ich glaube, das liegt daran, dass sich Körper bei Kälte zusammen ziehen und somit mehr Leute in den Jeep passen. 6. Reggaeton ist wirklich furchtbar. Insbesondere, wenn vier Stunden ausschließlich Reaggaeton im Auto gespielt wird. Die Kolumbianer fanden es klasse. Ich nicht.
Jedenfalls sind wir von Riohacha dann sechs oder sieben Stunden nach Norden gekachelt, davon einige Stunden off-road, und damit meine ich nicht off-road "oh, ich brauche einen SUV", sondern off-road "oh, hier ist ein großes Loch bis zum Mittelpunkt der Erde und es ist mit Schlamm gefüllt". Immerhin gab es zwischenzeitlich Mittagessen. Das war schön. Am späten Nachmittag sind wir in Cabo de la Vela angekommen. Wie soll man sich diesen Ort vorstellen? Zusammengewürfelt wie eine Goldgräberstadt ist hier irgendwo im Nirgendwo ein Dorf entstanden, bestehend aus windschiefen Hütten, einem kleinen Restaurant, Hunden und echt fragwürdigen sanitären Anlagen. Offenbar ist es aber ein Kitesurf-Paradies, weswegen sich immer mal wieder ein paar langhaarige Hippies hierher verirren. Nach einem anständigen Abendessen bin ich schließlich sabbernd in meiner Hängematte eingeschlafen. Das war im Übrigen auch so vorgesehen. Betten gab's keine. Morgens sind wir um 6 Uhr aufgestanden, haben gefrühstückt und sind dann erneut fünf Stunden gefahren bis kurz vor Punta Gallinas, wo wir auf Boote verteilt wurden und schließlich in unserer Unterkunft angekommen sind. Die sah deutlich vertrauenserweckender aus. Nachmittags sind wir dann zum langersehnten Faro de Punta Gallinas gefahren, dem Leuchtturm, der den nördlichsten Punkt Südamerikas markiert, quasi das Ende der Welt. Der Leuchtturm ist leider nicht so spektakulär. Danach gings weiter zum eigentlichen Höhepunkt der Reise: Die Wüste. Mit Meer nebendran. Man kann dort quasi eine Düne runterrutschen und landet direkt im Meer. Ziemlich irre. Die Fotos werden diesem Spektakel leider nicht gerecht. Nach einen Abendessen am Stützpunkt bin dann dort erneut zwischen 20 anderen Urlaubern in einer Hängematte eingeschlafen. Samstag sind wir an einem Tag die gesamte Strecke zurückgekachelt. Ich bin mit relativ sicher, dass meine Wirbelsäule durch den ständigen Druck und die Stöße diamantartige Strukturen angenommen hat, wäre auf jeden Fall einen Fallbericht wert. Insgesamt war es aber trotz des Geningels eine spannende Reise ins Niemandsland, welches nochmal ganz anders aussieht als der Rest des Landes. Leider siedeln in diesem Teil Kolumbiens die verarmten Reste des Wayuu-Stammes, sodass entlang des Weges immer wieder Kinder stehen und betteln. Von den durchfahrenden Jeeps werden sie mit Süßigkeiten und Wasser versorgt, trotzdem hat man nicht den Eindruck, als würde ihnen eine vielversprechende Zukunft bevorstehen. Man merkt wieder einmal, wie gut es uns eigentlich geht und dass manche Probleme vielleicht aus der Ferne gar nicht so dramatisch sind.
Morgen werde ich dem Tayrona-Nationalpark noch den obligatorischen Besuch abstatten und Mittwoch dann nach Cartagena fahren. Dort beginnt Donnerstag ein fünftägiger Sprachkurs. Spanisch, falls das jetzt nicht klar geworden ist.
Eine Neuigkeit gibts auch noch von der Reiseplanungsfront: Aufgrund äußerer Unstände verschieben sich meine Reisepläne und ich fliege noch Ende Oktober nach Patagonien. Olé!
Zusammenfassend erfreue ich mich weiterhin bester Gesundheit und genieße die freie Zeit. Jetzt schaukelt meine Hängematte so dolle, dass mir schlecht wird. Ich muss los! Grüße!



































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