Hallo liebe Zurückgebliebenen,
der soziale Druck war groß, die Faulheit ebenso. Deswegen blogge ich. Natürlich fungiert der ganze Laden hier auch als eine Art Erinnerungsstütze. Ich beschreibe meine Eindrücke und hoffe, dass die Leser dieses Blogs einen Eindruck dessen gewinnen, was mir widerfährt. Und es vielleicht auch noch interessant finden. Aber eventuell ist das auch zu viel verlangt. Vorab soviel: Wer Fehler findet, darf sie behalten.
Ich bin in Australien. Nur falls der Blog-Titel das irgendwie nicht klarmacht. Genauer gesagt bin ich in Sydney ("Sydnee", wie die Aussies sagen) und arbeite hier für 2 Monate in der Inneren, Oncology und Emergency Department. Diese zwei Monate stellen auch den Beginn meines PJ dar, das wiederum das sechste Jahr meines Studiums ist. Soviel zur Theorie. Vor Beginn dieses Praktikums bin ich noch kurz mit Linda durch Australien gereist, von Melbourne nach Adelaide. Unterwegs haben wir fast alle Kuriositäten dieses Landes bestaunen dürfen: Linksverkehr, rechtslenkende Autos, Great Ocean Road, 12 Apostel, Wale, Pinguine, Wombats, Dingos, Kängurus, Koalas, Krokodile. Entgegen der landläufigen Befürchtungen (und ich gebe zu, dass das auch meine waren) wurden wir noch nicht von Haien gefressen, Quallen gestochen, Rochen gestochen, Steinfischen getötet, Spinnen gebissen, Schlangen gewürgt (obwohls einmal knapp war). Genauer gesagt habe ich keines der genannten Lebewesen überhaupt gesehen. Bisher. Wenn ich rausgefunden habe, wie man hier Bilder einfügt, werden ebenjene folgen und einen kurzen Eindruck dieser Reise vermitteln.
Um einige Pauschalurteile über Australier zu fällen: Sehr sehr nettes, offenes Volk, sprechen meist
angenehmes Englisch, haben beschränktes Wissen über Heizungen und regen sich über 10-Grad-Winter auf, sagen allen Ernstes ständig "No Worries!" und finden die allgemeine Angst vor gefährlichen Tieren völlig übertrieben. Sie betreiben einige wirklich seltsame Sportarten (Cricket, Rugby League und Rugby Union, Australien Footie), sind überhaupt ein unglaublich sportliches Volk, finden Hautkrebs völlig normal ("kriegt hier eh jeder") und sind selten übergewichtig. Der Kleidungsstil ist amerikanisch orientiert, im Krankenhaus hingegen muss man sich rausputzen, Hemd und Hose bzw Bluse und Rock/Hose sind Pflicht. Kittel werden aber nicht getragen. Es leben viele Asiaten in den Großstädten, ist ja schließlich auch nicht weit weg. Acht Stunden nach Bangkok sind ein Katzensprung. Das Essen ist dementsprechend asiatisch geprägt, leider kriegt man selten mal eine Mahlzeit für weniger als 10 Euro, andererseits schmeckts meist ausgezeichnet. Und natürlich ist auch der europäische Einfluss nicht zu übersehen, vor allem in Melbourne.
Sonntag bin ich bei Rosslyn eingezogen. Sie ist etwa 65 Jahre alt, wohnt allein im Norden von Sydney und man würde sie im Allgemeinen als robust bezeichnen. Sie schwimmt jeden Samstag- und Sonntagmorgen im Meer mit anderen Betagten um die Wette, hat eine Rettungsschwimmerausbildung, unterhält Haus und Pool, ist Anfang der Siebziger durch Asien gereist, bevor Goa zur Hippie-Insel und Thailand zum Paradies für alleinstehende Herren wurde und ist heute im Importgeschäft tätig. Eiskugellöffel. Ich wohne im ersten Stock in einem kleinen Zimmer, teile mir mit 2-3 anderen das Bad und bin glücklich, mit knapp 450 Ocken pro Monat durchzukommen. Andere arme Seelen bezahlen knapp 750 und können nicht zur Arbeit laufen.
Montag durfte ich das erste Mal in meinem Leben im Anzug zur Arbeit erscheinen und habe mich, wie man sich vielleicht denken kann, relativ unwohl gefühlt. Die ersten Eindrücke von Arbeit behalte ich aber vorerst für mich, werde jetzt mal mit der Prinzessin telefonieren. Wer kommentieren möchte, darf dies gerne tun, ich behalte mir aber vor, unangemessene Kommentare zu entfernen. Schließlich lesen das hier auch meine Eltern :-)
Grüße aus North Sydney,
Benni
Benni! Mach mal das irritierend glotzende Känguruh von Deiner Seite weg. Und ersetz es bitte nicht mit irgendeinem dieser anderen Viecher, die sich dem evolutionären Wettkampf entzogen haben und stattdessen der Inzest gefrönt haben.
AntwortenLöschenIch finds toll, daß Du bei einer robusten Fast-Rentnerin untergekommen bist und soweit alles in Ordnung ist. Bitte schicke Fotos von Deiner Arbeitsverkleidung und im Idealfall ohne die ersten Blutspritzer aus der Ersten Hilfe auf dem Schlips. Trägst Du allen Ernstes keinen Kittel? Du hast doch nicht 5 Jahre auf Halbgott studiert um jetzt im Gewand des Büropöbels herumzurennen. Naja.
Ich muß aufhören, dieses Känguruh macht mich ganz kirre. Aaah.
Bruder M.
Lass bloß das Känguruh dort, wo es ist! Das Tier glotzt nicht!
AntwortenLöschenPapa
Echt mal Matthias, kneif halt mal die Backen zusammen und sei ein Mann! Fotos kommen noch, heute schaff ichs wohl nicht mehr. Grüße
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